Hundeernährung

Diese Superspürnasen finden die Verstecke von Ungeziefer

Das Interview mit Karin Fischer-Widmer und Patricia Brönnimann ist ein aussergewöhnliches. Denn: Es sind Tiere anwesend. Und damit sind nicht die Hunde gemeint, die sich gerade von der Hand, die keine Notizen macht, kraulen lassen. Nein, gemeint sind die Winzlinge, die – sicher verstaut in Plastikröhrchen – herumkrabbeln.

Die Tiere mögen zwar harmlos aussehen. Doch sind sie eine Plage und der Grund, warum wir überhaupt hier sind. Es handelt sich bei den Viechern nämlich um den Albtraum jedes Hotelbesitzers: um lebendige Bettwanzen. Und die anwesenden Hunde können weit mehr, als sich kraulen zu lassen.

Luke, Concha, Saya und Buffy sind ausgebildete und geprüfte Bettwanzenspürhunde. Das heisst, sie helfen verzweifelten Menschen zuverlässig dabei, festzustellen, ob sich die fiesen Tierchen in den eigenen Wohnräumen verstecken.

Hat man die Viecher, wird man sie nur schwer wieder los

Das Problem mit Bettwanzen: Hat man sie einmal, wird man sie nur mit viel Aufwand wieder los. Vor allem, wenn sie sich bereits ausgebreitet haben. Dies tun sie geschickt, indem sie durch kleinste Ritzen, Leitungen und Steckdosen krabbeln.

Wer je von einer Bettwanze gebissen wurde, weiss: Es ist unangenehm. Häufig bilden sich grosse rote Flecken auf der Haut, die ziemlich jucken. Die positive Nachricht: Gefährlich sind die Tierchen kaum. «Doch ist das für Betroffene häufig eine psychische Sache», sagt Fischer-Widmer. «Die Tiere kommen in der Nacht, wenn man eigentlich schlafen will. Das ist sehr unangenehm.»

Sie fährt weiter: «Bettwanzen sind kein Zeichen mangelnder Hygiene und können in den besten Hotels vorkommen. Die meisten Privatwohnungen, die uns anfragen, sind piekfein aufgeräumt», beteuert Fischer-Widmer.

«Anders als etwa bei der Jagd gibt es bei der Suche nach Wanzen ja viel weniger Geruchspartikel, an denen sich die Hunde orientieren können.»

Patricia Brönnimann, Bettwanzenhundführerin

Brönnimann, die sich mitunter im Verein für Rettungs- und Suchhunde engagiert, erklärt auf die Frage, wie man überhaupt auf die Ausbildung von Bettwanzenspürhunden kommt: «Ich bin angetan von der sinnvollen Nasenarbeit für Hunde.»

Obwohl sie mit ihren Hunden schon lange im Bereich der Bettwanzensuche arbeite, sei sie nach wie vor fasziniert von den Fähigkeiten der Vierbeiner. «Anders als etwa bei der Jagd gibt es bei der Suche nach Wanzen ja viel weniger Geruchspartikel, an denen sich die Hunde orientieren können. Dennoch finden die Hunde die Trainingsröhrchen mit den Bettwanzen zuverlässig, auch wenn sie gut versteckt sind und erst einige Minuten vorher deponiert wurden.»

Dass die bloss nicht ausbrechen: Bettwanzen in Übungsröhrchen.

In der ganzen Zentralschweiz sind Fischer-Widmer und Brönnimann mit ihrer Firma, der Bed Bug Finder GmbH, unterwegs. «Wir erhalten Anfragen aus der ganzen Schweiz», sagt Fischer-Widmer.

Doch tun gäbe es allein in der Region schon genug. Die Suche nach Bettwanzen ist für beide Frauen nur ein Nebenjob. Fischer-Widmer arbeitet als Hundetrainerin, ihre Kollegin führt ein Unternehmen, das sich auf Hundeernährung mit Frischfleisch spezialisiert hat.

Trainings in Cars, Hotels und Privaträumen

Wöchentlich treffen sich die beiden zum Training mit ihren vier Hunden. «Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk aus Menschen und Unternehmen, die uns ihre Wohnungen, aber auch Hotelzimmer und Cars zur Verfügung stellen.»

Es sei wichtig, dass man sich stets woanders treffe. «Die Verstecke für die Wanzenröhrchen in den eigenen vier Wänden kennen die Hunde sehr schnell», sagt Brönnimann.

«Wichtig ist, dass die Hunde immer ein Erfolgserlebnis haben.»

Karin Fischer-Widmer, Hundetrainerin

Eine der beiden versteckt vor dem Training die Röhrchen mit den lebendigen Wanzen, sodass die andere Person, die mit ihrem Hund auf Suche geht, das Versteck nicht kennt und keinen Einfluss auf den Hund nehmen kann.

«Wichtig ist, dass die Hunde immer ein Erfolgserlebnis haben», sagt Fischer-Widmer, während die Bettwanzen vor uns auf dem Tisch in ihren Röhrchen umherkrabbeln. Sollte sich ein Verdacht auf Bettwanzen bei einem Kunden nicht bewahrheiten, verstecke man ein Übungsröhrchen, damit die Hunde wenigstens etwas finden.

Schnuppertraining, das erst noch sinnvoll ist. Concha beim Finden von Bettwanzen.

Trainingswanzen werden in England bestellt

«Es ist wichtig, dass wir mit lebendigen Wanzen trainieren, damit sich die Hunde genau an diesen Geruch gewöhnen und nicht an die Nebengerüche, etwa jenen des Bettwanzenkots oder der toten Wanzen», ergänzt Brönnimann.

Die Übungsröhrchen bestellen die beiden Frauen in England. Ausbrechen können die Insekten nicht, beteuern die beiden. Auch bestehe keine Gefahr, dass die Hunde bei der Arbeit selber Bettwanzen einfangen und mitschleppen. Brönnimann sagt dazu: «Die Wanzen flüchten sehr schnell, wenn es hell wird. Auch braucht es uns im Prinzip nicht mehr, wenn ein massiver Wanzenbefall vorliegt. Dann sieht man sie nämlich mit blossem Auge.»

Ob es Hunde gebe, die besonders geeignet sind für die Bettwanzensuche? Eigentlich nicht, finden die beiden Frauen unisono. Nicht geeignet seien jedoch die kurzschnäuzigen Rassen wie etwa französische Bulldoggen oder Möpse. «Das intensive Schnuppern ist für die Hunde wie ein Hyperventilieren. Kurzschnäuzige Rassen könnten dabei kollabieren», sagt Fischer-Widmer.

Nach so viel Theorie schreiten wir zur Praxis. Die Hunde möchten offensichtlich arbeiten. Sie tun das in sehr unterschiedlicher Weise, wie wir bald feststellen werden.

Vier Hunde der Luzernerinnen werden aktuell als Wanzenspürhunde gebraucht. Zwei Mischlinge aus dem Tierschutz, ein Deutsch Langhaar und ein Papillon. Dass kleine Hunderassen häufig unterschätzt werden, ist uns bewusst. Dennoch sind wir erstaunt, Luke, den kleinen Papillon-Hund, hier im Einsatz zu sehen. Die Zweifel an seinem Talent werden nur von kurzer Dauer sein. Er erweist sich wenig später als der Flinkste von allen Spürhunden.

In einem Schlafzimmer wurden vorgängig drei Röhrchen verteilt, die Hunde suchen nacheinander mit ihren Halterinnen.

Klein, aber unglaublich tifig

Gleich zuerst darf der kleine Luke ans Werk. Wenige Sekunden, nachdem der schwarz-weisse Hund den Befehl zum Suchen erhalten hat, findet er bereits das erste Röhrchen unter der Matratze. Er steckt die Nase in den Fundort und bleibt bockstill stehen: Das Zeichen, dass er fündig wurde. Sogleich wird er belohnt. Auch die anderen Röhrchen findet er problemlos.

So zeigt Luke an, dass er Bettwanzen erschnüffelt hat.

Die mit drei Jahren noch recht junge Hündin Concha geht bei der Suche deutlich gemütlicher vor, und lässt sich hie und da kurz ablenken. Doch auch sie findet die Wanzen, fixiert schnuppernd den Fundort und bläht die Backen geräuschvoll auf.

Saya, die helle Tierschutzhündin, die vermutlich Herdenschutz-Blut in sich trägt, geht äusserst gemächlich an die Sache heran. Sobald sie einen Wanzenherd findet, setzt sie sich hin und zeigt mit der Nase dahin, wo die Bösewichte hocken.

Wären wir im Porzellanladen, wäre die Bettwanzensuche mit Buffy kaum möglich. «Die Grobmotorikerin», wie die Jagdhündin von ihrer Halterin genannt wird, ist sichtlich aufgeregt, rast umher. Sobald sid die Wanzen findet, beginnt sie – herzallerliebst – mit den Pfoten zu stampfen.

Bemerkenswert: Keiner der Hunde bellt im Einsatz. Nur Concha jammert jeweils, wenn sie nicht arbeiten darf. Die kurze Vorstellung allein genügt, um sich zu vergewissern: Wanzen mit Hunden aufzuspüren, das funktioniert richtig gut. Für alles, was danach kommt, ist der Kammerjäger zuständig.

Saya zeigt an, wo sich die Tierchen versteckt haben.

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